Eine Heldin


Als sie geboren wurde, bedauerte man, dass sie kein Knabe sei.
     Da sie ein Mädchen war, wurde sie auf keine Schule geschickt.
     Als sie größer wurde, weigerte sie sich, den zu heiraten, den man ihr ausgesucht hatte, welcher zwar hundertfünfzig Ziegen besaß, aber dick, dumm und derb war.
     Man nannte sie eine Schlampe und wandte sich von ihr weg.
     Da sie allein auf sich gestellt war, aber nichts gelernt hatte, blieb ihr als einziger Ausweg, Männern zu Willen zu sein.
     Man nannte sie eine Hure und spuckte ihr nach.
     Als Krieg war und Soldateska die Dörfer plündernd und vergewaltigend heimsuchte, war sie auch den Marodeuren zu Willen. Einem Blitzableiter gleich zog sie die Energie der Männer an und band sie an sich, so dass in ihrem Ort sonst keine Frauen zu Schaden kamen.
     Als der Krieg zu Ende war, nannte man sie eine Heldin und behängte sie mit Medaillen.
     Da ihr aber trotz allen Lobes der beneidenswerte Zustand abging, in dem sie hätte auf jegliche Nahrungsaufnahme verzichten oder die erwähnten Medaillen zu diesem Zweck verwenden können, blieb ihr nichts Anderes übrig, als wieder, um der Lebenskostenbeschaffung willen, ihrem alten Erwerb nachzugehen.
     Da nannte man sie eine Verräterin und jagte sie in den Dschungel.

© 2008 Georges Raillard