Der Welterretter


Eines Tages beschloss Alois, die Welt zu retten. Er legte die Stirn in Falten, um darüber nachzusinnen, wie dies zu bewerkstelligen wäre. Schritt für Schritt entwarf er seinen Plan. Endlich, nach langen Stunden und vielen Tassen Kaffee und süßen Fettklößchen, die er sich von seiner Frau brühen, braten und bringen ließ, war der Plan fertig. Sogleich machte er sich daran, alles Nötige in die Wege zu leiten, um ihn in die Tat umzusetzen.
     „So kann ich nicht in die Hauptstadt!“ schrie er und streckte seiner Frau anklagend dreckverspritzte Schuhe entgegen.
      „Kannst ja barfuß gehen!“ schrie seine Frau zurück. „Bin ich deine Magd? Hättest deine Schuhe selber putzen können, statt auf der faulen Haut zu liegen!“
     „Merkst du denn nicht, jede Minute zählt! Putze ich jetzt noch meine Schuhe, verliere ich unaufholbare Zeit; gehe ich mit dreckigen Schuhen in die Hauptstadt, werde ich nicht anerkannt und hochgeschätzt und kann nichts bewirken!“
      Er schlug sich die Hände vor das Gesicht.
      „Der Weltuntergang ist nicht mehr abzuwenden! Du bist schuld daran, du allein, du Weltmörderin!“
      Er rannte ins Schlafzimmer, vergrub seinen Kopf unter der Bettdecke und sprach an diesem Tag kein Wort mehr.
      Am folgenden Tag war die Welt zum Glück doch noch nicht untergegangen, weil in der Zwischenzeit jemand anders sie beherzt gerettet hatte, indem er tadellos gekleidet in einer populären Fernsehsendung aufgetreten war und vor laufenden Kameras einem Huhn den Hals umgedreht hatte, die Menschen mit diesem „dramatischen Opfer“ eindringlich zur Umkehr aufrufend. Die Frau erzählte es am Morgen Alois mit glühenden Augen, sie fand es himmlisch, wie dieser Mann die Welt gerettet hatte. Warum er, Alois, denn nicht so ein himmlisches Mannsbild sein und solch übermenschliche Taten vollbringen könne, verstehe sie nicht und bedaure es zutiefst.


© 2006 Georges Raillard