Rauschen im Tannenwald


Tannen sind schlanke, hohe Bäume, das Rauschen des Windes in ihren Ästen kommt von hoch oben. Es ist viel größer als wir selbst, fern zieht es über unsere Köpfe hinaus und hinweg. Die Tannen wirken noch mächtiger, wenn der Wind in ihren Ästen rauscht. Es sind kalte Winde, die durch die Tannen rauschen. Ein rauhes Rauschen ist es aber nicht, jedoch auch kein liebliches und kein liebevolles. Es umfasst uns nicht, hüllt uns nicht ein. Geborgenheit vermittelt es keine. Es hat keine menschlichen Dimensionen. Es ist kein Spielen und Verhandeln mit den Zweigen, sondern etwas Bestimmendes, ja Zwingendes, es ist streng und ungesellig. Wir stehen aber nur dabei, das Rauschen lässt uns aufschauen. Die Äste der Tannen bewegen sich im Wind, aber nie da, wo wir stehen. Durch das Rauschen in den Ästen werden wir gewahr, um wieviel höher und größer die Tannen sind als wir. Ihre schwankenden Spitzen werden unerreichbar. Beim Aufschauen kann es uns schwindeln. Dieses Rauschen ist eine Wahrheit, die wir nur erahnen können. Sein Auf- und Abschwellen ist wie der Atem Gottes. Würde es herabstürzen und uns erfassen, wären wir selbst wie Gott und könnten uns nie mehr verstehen.




© 2009 Georges Raillard