Der Pfeilmensch und der Menschpfeil


Als einer anfing:
     Der Hacksfeld, der hat sich ja aus untersten Verhältnissen, an seinen Traum vom berühmten Rennfahrer geklammert;
     der ist diesem Traum geradezu entgegengewachsen, ein anderer betonte;
     und heute! alle begeistert einfielen, da kannst du ihn auf den Rennpisten der ganzen Welt! wie der über den Bildschirm! an allen vorbei! durchs Ziel! pfeilschnell!

     horchte ich auf: „Pfeilschnell?“
     „Ja, schnell wie ein Pfeil, ich sag’s dir…“

Ich schaute weg, in die milchige Weite, vielleicht gerade dorthin, wo so ein Pfeil mit der Geschwindigkeit von Hacksfeld in seinem Rennauto hätte hinfliegen mögen. Anders als bei Hacksfeld konnte ich mir allerdings nicht vorstellen, dass der Pfeil zielstrebig seinem Ziel zustrebte. Sein Ziel hatte er sich nicht selbst ausgesucht, er war bloss abgeschossen worden. Wenn er das Ziel traf, musste der Aufprall recht schmerzhaft sein. Manchmal sogar tödlich, wenn seine Spitze abbrach. Hatte sie Widerhaken, war das Herausziehen eine Qual; mit langwierigen Infektionen musste gerechnet werden.
     Eigentlich war das Treffen des Ziels eine Katastrophe!
     Und der Pfeil konnte seine Bewegung nicht steuern! Er sah das Ziel vor sich, es kam rasend näher. Mit etwas Glück flog ein Vogel in der Nähe seiner Flugbahn. Er flehte ihn an: Flieg näher! Schlag mit deinen Flügeln! Bring mich vom Ziel ab! Aber selten klappte das. Meist verstand ihn der Vogel nicht, weil er zu schnell an ihm vorbeiflog. Was? krähte der Vogel noch hinterher, aber da hatte der Pfeil vielleicht schon getroffen und war tot.
     Das Fliegen war zwar etwas Schönes: wie er mühelos, schwerelos durch die Lüfte schoss. Da hätte er sich fast allmächtig fühlen mögen. Vielleicht wäre es ja besser, er könnte vergessen, dass er gezielt worden ist: sorgfältig angelegt, langsam nach hinten gezogen, jäh losgelassen.
     Dahinfliegend verfluchte er den, der ihn abgeschossen hatte.

     „Wie ein Roman, sag ich dir, wie ein richtiger Roman…!“
     „Was…?“ frage ich.
     „Na, wie er es geschafft hat!“
     „Wer…?“
     „Na, der Hacksfeld natürlich!“
     „Ach so…“

Ich schaue wieder weg. Wenn Hacksfeld ins Ziel kommt, stirbt er nicht. Wie uninteressant.




© 2007 Georges Raillard